suedlicht

Entwicklungskonzept Innenstadt Offenburg

Nach knapp einem Jahr und damit exakt im Zeitplan steht das neue Entwicklungskonzept für die Offenburger Innenstadt. Wir von suedlicht hatten dabei die Aufgabe, sicherzustellen, dass unterschiedliche Gruppen ihre Ansprüche und Interessen in die Arbeit des externen Planungsbüros einbringen konnten.

An die „gute Stube“ Offenburgs gibt es viele, zum Teil widersprüchliche Ansprüche: viele Menschen gehen dort einkaufen, essen oder sind einfach abends in der Stadt unterwegs. Handel und Gastronomie wollen ihren Kunden ein angenehmes Einkaufs- und Freizeiterlebnis bieten. Vielen ist die gute Erschließung durch die Busse des Nahverkehrs wichtig, aber auch ein ausreichendes Parkplatzangebot. Und schließlich gibt es auch Menschen, die in der Innenstadt wohnen und manchmal einfach ihre Ruhe haben möchten... Das alles im Kontext der aktuellen Planung eines neuen Einkaufszentrums stand als Anstoß für ein „Fitnessprogramm“ für die Innenstadt an.

suedlicht entwickelte daher eine Beteiligungsstrategie, die zunächst die gezielte Einbindung von ausgewählten Interessensgruppen wie Handel, Anwohnerschaft und Nutzergruppen vor („Forum Innenstadt“) vorsah, um sich dann in der zweiten Phase zu öffnen und alle interessierten Offenburger/innen (Bürgerwerkstätten) einzuladen.

Ziel war es, die planerischen Arbeitsschritte mit den Wünschen und Ideen der Bürger/innen zu verzahnen. Die Bürger/innen konnten aktiv mitwirken an der Neugestaltung von innerstädtischen Räumen und gleichzeitig planerische Abwägungs- und Entscheidungsprozesse nachvollziehen. So ergänzten die Eigentümer und Interessensgruppen, Nutzer/innen und Marktakteure die von den Planern erarbeitete Stärken- und Schwächenanalyse, diskutierten Lösungsmöglichkeiten für Zielkonflikte und stellten die Gestaltungsvorschläge für einzelne Plätze und Straßenzüge auf den Prüfstand.

Am Beispiel der Offenburger Innenstadt wird wieder einmal deutlich: Beteiligungsangebote an konkreten Planungen stoßen auf hohes Interesse in der Bürgerschaft. Im Wechselspiel mit den Planenden ist es für die Moderation als Anwältin der Alltagsexperten besonders wichtig, auf eine angemessene Präsentation der fachlichen Vorschläge zu achten, nötigenfalls Hilfestellung beim „Lesen“ von Plänen anzubieten, und eine systematische Rückkoppelung der Ergebnisse der Beteiligung zu gewährleisten.

Zielkonflikte aktiv angehen

Spannend wurden die Diskussionen besonders bei der ersten Bürgerwerkstatt um offensichtliche Zielkonflikte wie zum Beispiel „Aufenthaltsqualität contra ÖPNV“ oder „Erreichbarkeit Fußgänger/Fahrrad contra Erreichbarkeit mit Kfz“. Die Teilnehmenden hatten die Aufgabe, zu jedem Zielkonflikt die Pro- und Contra-Argumente zu sammeln und abschließend ihre Erkenntnisse in ein Fazit mit möglichem Lösungsvorschlag zu formulieren. Dabei wurde offensichtlich, dass die Teilnehmenden die komplexen Planungssituationen und Dilemmata nachvollziehen konnten. Eine klare Bewertung des Konflikts zwischen den beiden Zielen bzw. eine eindeutige Stellungnahme war dabei allerdings nur in wenigen Fällen das Ergebnis. Die Tendenz war eher, zu versuchen, den Konflikt durch einen Kompromiss aufzulösen – wie zum Beispiel beim Zielkonflikt „Freizeitstandort contra Wohnstandort“. Nach Ansicht der Teilnehmenden kann das Wohnen und die Freizeitnutzung in der Innenstadt verträglich miteinander geregelt werden, wenn bestimmte Ordnungsmaßnahmen durchgeführt werden, wie z.B. Ordnungsdienst, Vereinbarungen/ Regeln für bestimmte Events, Sperrzeiten, finanziert unter anderem durch die Gastronomie. Gleichzeitig wird eine gewisse Toleranz der Innenstadtanwohner für die Freizeitnutzungen erwartet.

Das Resultat: Ein priorisierter Maßnahmenkatalog und verfügbare Haushaltsmittel

Nach einer intensiven Diskussion im Gemeinderat im Februar 2014 erklärten alle Parteien, dass es Ziel sein muß, die bestehende Innenstadt bis zur Eröffnung des Einkaufszentrums im Oktober 2018 fit zu machen. Dafür stellte der Gemeinderat zusätzliche Haushaltsmittel von 6 Mio. € bereit. Insbesondere sollen damit die Ideen der Bürger aus der Bürgerwerkstatt verwirklicht werden.

 

Auftraggeber:

Stadt Offenburg, Fachbereich Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung, 2012-2013

Leistungen:

Prozessentwicklung und –beratung, Moderation der Bürgerforen und –werkstätten, Gemeinderatsklausur, Dokumentation

Weitere Infos:

Die Dokumentationen der verschiedenen Veranstaltungen können auf den Seiten der Stadt Offenburg angesehen werden:
http://www.offenburg.de/html/entwicklungskonzept_innenstadt.html

Zeitungsbericht zur zweiten Bürgerwerkstatt im Oktober 2013
http://www.badische-zeitung.de/offenburg/ideensammlung-fuer-die-innenstadt--76335967.html


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